Woher kommt der Carignan?
Der Carignan verdankt seinen Namen Cariñena, einer Stadt in der Provinz Saragossa, in Aragonien (Spanien). Vermutlich schon im Mittelalter nach Frankreich gebracht, findet er im Languedoc-Roussillon ein bevorzugtes Terroir: Wärme, Trockenheit, wenig fruchtbare Hanglagen.
Von der Massenrebsorte zur Renaissance
Im 20. Jahrhundert setzt sich der Carignan im Süden massiv durch, dank seiner Fähigkeit, große Mengen zu produzieren — zulasten der Qualität. Viele Parzellen werden gegen Ende des Jahrhunderts gerodet. Doch was bleibt — die alten Reben, gepflanzt auf harten Böden und bei geringem Ertrag bewirtschaftet — wird zum Fundament der großen Carignans von heute. Seit den Jahren 2000-2010 erlebt die Rebsorte auf Schiefer-, Kalk- und Geröllterroirs eine echte Rückkehr zu Ansehen.
Carignan und Schiefer: warum das funktioniert
Der Carignan ist eine spät reifende Rebsorte, wuchsstark und von Natur aus säuerlich. Er braucht Wärme, um gut auszureifen, verträgt aber keine überhöhten Erträge. Der Schiefer von Berlou erfüllt genau diese Ansprüche: karger, durchlässiger Boden, der den Wuchs bändigt, vom Gestein zurückgestrahlte Wärme für die Reife, und Höhenlage, die die Frische bewahrt. Das Ergebnis: ein konzentrierter, aber lebendiger Carignan, weit weg vom Klischee der „rustikalen“ Rebsorte.
Wie schmeckt der Carignan?
Aus alten Reben auf kargem Boden zeigt der Carignan eine Nase von roten und dunklen Früchten, mitunter Dörrpflaume, ergänzt um Noten von Garrigue, Gewürzen und, mit dem Alter, komplexeren Nuancen. Alte Reben sind besonders gefragt für die Finesse und Eleganz ihrer Tannine. Seine gute natürliche Säure bringt Frische und Lagerfähigkeit.
Wie wird er ausgebaut?
Der moderne Stil bevorzugt eine sanfte Extraktion, die die Frucht in den Vordergrund stellt: lange Mazerationen „als Infusion“ für feinere Tannine, mitunter Ganztraubenlese, oder Kohlensäuremazeration, die die Struktur mildert und zugleich die Aromatik bewahrt. Das Ziel: die Finesse der Rebsorte zeigen statt die Kraft.
Wozu trinkt man einen Carignan?
Struktur und Frische machen ihn zum guten Begleiter von Grillfleisch, Schmorgerichten, Wild und würziger Küche (Gewürze, Garrigue-Kräuter). Die feineren Cuvées passen auch zu gereiftem Käse.
Carignan, das Herz des Cru Berlou
In der AOP Saint-Chinian Berlou ist der Carignan nicht optional: Das Lastenheft des INAO schreibt vor, dass er mindestens 30 % des Rebsortenspiegels ausmacht. Das ist eine im Languedoc seltene Vorgabe, die nur ein weiterer Cru teilt — Corbières-Boutenac; innerhalb von Saint-Chinian ist Berlou der einzige, der sie vorschreibt. Auf dem Schiefer von Berlou, aus alten Reben, zeigt der Carignan seine ganze Mineralität und Frische. Mehr dazu im Leitfaden zum Cru Berlou.
Ich habe eine Schwäche für diese Rebsorte. Auf dem Domaine de Cambis bewirtschafte ich alte Carignan-Reben biologisch auf dem Schiefer von Berlou, und oft sind sie es, die meinen Cuvées am meisten Charakter geben. Sie finden sie in unseren Bio-Rotweinen und unserer Reihe AOP Saint-Chinian Berlou.
Häufige Fragen
Ist der Carignan eine gute Rebsorte?
Lange als „gewöhnlich“ abgetan, weil auf Ertrag gezüchtet, ergibt der Carignan — aus alten Reben, bei geringem Ertrag und auf kargen Böden — feine, lagerfähige Weine: Genau darum geht es bei seiner Renaissance.
Warum ist der Carignan in Berlou so präsent?
Weil das Lastenheft des Cru ihn vorschreibt (mindestens 30 % des Rebsortenspiegels) und weil ihm das Schieferterroir und das Höhenklima besonders entgegenkommen: Er reift dort gut aus und behält zugleich seine Frische.
Altert der Carignan gut?
Ja. Seine natürliche Säure und die Konzentration alter Reben geben ihm eine gute Lagerfähigkeit, über mehrere Jahre bei den strukturierteren Cuvées.
Welches Gericht zu einem Carignan?
Grillfleisch, Schmorgerichte, Wild, würzige Küche und gereifter Käse bei den feineren Cuvées.
Zum Weiterlesen
- AOP Saint-Chinian Berlou: der Leitfaden zum Cru
- Wein aus Saint-Chinian: der komplette Leitfaden
- Saint-Chinian rot: Rebsorten und Charakter
- Der Schieferwein
Alkoholmissbrauch ist gesundheitsschädlich. Bitte in Maßen genießen.